Ramayana

Indiens unsterbliche und abenteuerliche Erzählung
der Liebe und Weisheit

Nacherzählt von Krishna Dharma
Übersetzt ins Deutsche von Nick Weisser

Gewidmet
A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada durch dessen Lehren ich das Ramayana lieben gelernt habe


Einleitung

Sita-Rama

Das Ramayana ist das erste Epos des alten Indien. Es wurde in der Tradition der vedischen Schriften niedergeschrieben und schließt an die Weisheit dieser zeitlosen Sanskritschriften an. Ursprünglich vom Weisen Valmiki verfasst, ist es als Adi Kavya, oder das ursprüngliche Gedicht berühmt. Seine Ursprünge verlieren sich in entferntem Altertum, wenngleich die Nachfolger der vedischen Tradition sagen, dass es erstmals um 880000 vor Christus verfasst wurde. Natürlich werden viele moderne Gelehrte und Wissenschaftler diese Behauptung zweifellos in Frage stellen. Doch es spielt keine Rolle, wann es geschrieben wurde, das Ramayana bleibt eine der bewegendsten und schönsten Erzählungen aller Zeiten. Es erzählt die Geschichte von Rama, einem König, der in der Sonnendynastie erschien, der Linie, die vom Sonnengott Vivasvan abstammt. In den vedischen Schriften heißt es, dass Rama und seine Frau Sita Manifestationen von Vishnu und Lakshmi sind, die als die höchste Person und seine ewige Gefährtin anerkannt werden. Rama wird als siebter von zehn Avataras, oder Inkarnationen Vishnus beschrieben, die im gegenwärtigen Zyklus der Zeitalter erscheinen.

Das Ramayana kann deshalb auf verschiedenen Ebenen gelesen werden. Auf einer Ebene ist es einfach eine wunderbare Geschichte. Für Liebhaber von Geschichten wie Herr der Ringe, ist es ein Bericht von fantastischen Ereignissen, in einer Welt der Magie und Mystik – einer Welt in der Menschen mit anderen mächtigen Wesen Seite an Seite lebten, und in der die menschliche Gesellschaft selbst Wissen über göttliche Kräfte besaß, die jetzt unbekannt sind.

Für diejenigen, die von verschiedenen Kulturen fasziniert sind, schildert das Ramayana anschaulich das, was oft das vedische Zeitalter genannt wird – eine Zeit, zu der große kriegerische Könige die Welt unter der Führung von selbstverwirklichten Mystikern und Heiligen regierten.

Es war ein Zeitalter in welchem die Menschen in dem Verständnis lebten, dass sie ewige Seelen sind, die von einem Leben zum andern wandern, einem Zustand letzlicher Befreiung entgegen.

Deshalb wurde das Streben nach Tugend und Wahrheit als das Höchste betrachtet und das menschliche Leben als eine Möglichkeit, um spirituelle Befreiung, oder Freiheit vom Kreislauf der Geburten und Tode zu erlangen.

Doch für diejenigen, die die Göttlichkeit Ramas anerkennen, wird das Ramayana zu einer anderen Angelegenheit. Wenn Rama als Gott anerkannt wird, ergibt sich eine Frage: Weshalb erscheint er? Was tut er während er sich auf der Erde aufhält und dabei scheinbar genau wie ein gewöhnlicher Mensch handelt?
Fragen dieser Art werden in einer anderen vedischen Schrift, der Bhagavad-gita, beantwortet. Dort wird gesagt, dass Gott aus verschiedenen Gründen in dieser Welt erscheint. Er kommt, um Religion einzuführen und dämonische Elemente in der Gesellschaft zu zerstören, wenn diese zu einflußreich werden. Doch erscheint er ebenfalls, um die Liebe seiner Geweihten zu erwidern. Es ist diese letztere Tatsache, die am bedeutsamsten ist und von welcher gesagt wird, dass sie der Hauptgrund für das Erscheinen des Herrn ist. Die Bhagavad-gita erklärt, dass der Herr keinen materiellen Zweck zu erfüllen hat, wenn er erscheint. Er handelt nicht auf gleiche Weise wie gewöhnliche Menschen, die an materiellem Gewinn, wie Geld, Ruhm oder Bewunderung interessiert sind. Noch hat der Herr irgendeinen politischen Grund. Er handelt einzig auf Grund von Liebe.

Wenn man dies im Hinterkopf behält und das Ramayana studiert, wird es zur unermesslich tiefen und sehr bewegenden Lektüre. Dann werden die verschiedenen Beziehungen zwischen Rama und den anderen Persönlichkeiten in einem anderen Licht gesehen – einem Licht göttlicher liebender Gefühle, welche die Seele des Lesers direkt berühren.

Ich möchte es ihnen selbst überlassen, ein Urteil zu fällen. Wie auch immer sie das Ramayana auffassen, ich bin davon überzeugt, dass sie es ansprechend und erbauend finden werden. Ich habe es mindestens ein Duzend Mal gelesen und habe trotzdem noch große Freude daran, es immer wieder zu lesen. Ich hoffe sie werden ebenfalls die gleiche Freude aus diesem Buch ziehen.